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Erwartungen

Wer bin ich? Woran glaube ich? Wo wandern meine Gedanken hin? Wieso bin ich auf der Welt? Was macht mich besonders? Wem sollte ich mein Herz geben? Wohin gehöre ich? Im Grunde bin ich pünktlich. Früher war ich überpünktlich. Vielleicht komme ich deswegen manchmal zu spät. - Meine vergeudete Wartezeit müssen nun andere erleben. Erleben müssen sie auch, dass ich manchmal gern und viel rede. Ertragen müssen aber auch, dass ich manchmal viel und einige Male auch zu lange schweige. Manchmal bin ich in meinen Gedanken verloren. Dann höre ich kaum zu, lächle vielleicht nur - oder auch gar nicht. Es gibt Momente, da lächle ich in mich hinein.Doch viel öfter sind in mir andere Gefühle, die ich nicht zeige. Ich dreh durch. Ich bin wütend, schreie in mich hinein. Ich weine innerlich. Zweifel an mir selbst. Und ich zweifle an allem anderen. Ich freue mich. Ich jubel innerlich. Gedanklich drücke ich jemanden. Ab und an, küsse ich jemanden - gedanklich, emotional. Es gibt Momente, da bin ich wie ein Kind und male mir meine Zukunft aus. Doch dann holt mich die Realität, die Gegenwart ein. Ich bin erwachsen. Zumindest sieht das die Hälfte der Menschheit so. Weil ich erwachsen bin, darf ich mir nur Ziele setzen, nicht träumen. Manchmal fühle ich mich unglaublich attraktiv. Dann holt mich ebenfalls die Realität ein. Ich fühle, dass ich geliebt werden sollte, ich es verdiene - doch die Realität sieht anders aus. Von mir wird erwartet, hübsch zu sein. Ich soll 24 Stunden lächeln. Am besten mit Mr. Right an meiner Seite. Ich soll endlich jemanden an meiner Seite haben. Wenn das nur so einfach wäre. Keinen kümmert’s, dass ich unglücklich auf der Suche bin und anscheinend nicht die beste Auswahl bin. Und wenn ich doch jemanden finde oder denke, dass es passt, vermassle ich es wieder. Ich soll endlich daran glauben, dass ich Kinder haben werde. Doch mit dieser Vorstellung kann ich mich nicht anfreunden. Doch auch das interessiert niemanden. Ich bin eine erwachsene Frau im gebärfähigen Alter. Ich soll mich nicht so anstellen. Der Wille wird kommen, sobald ich jemanden an meiner Seite habe. Doch dass jemand aus einer langen Beziehung kommt und sich mit mir trifft, das soll nichts ausmachen, das ist ein gutes Zeichen - dabei wurde mir immer wieder gesagt, dass dann jemand ein Lückenfüller ist. Ich soll in spätestens vier Jahren mit jemanden zusammen wohnen. Ich bräuchte doch keine Couch. Das würde sich ja nicht lohnen, weil ich zu ihm ziehen würde. Vier Jahre. Maximal. Dass ich nur an den Gedanken, mit jemanden ein Date zu haben Panik kriege, daran denkt keinen. Scheint niemanden zu interessieren. Und dann bin ich auch noch so naiv und verliebe mich Herz über Kopf in jemanden. Und das wird kritisiert! Dabei bin ich nur naiv und nicht dumm. Vielleicht suche ich mit meinem ganzen Herz in jemanden genau das, was mir fehlt. Vielleicht bin ich deswegen oft enttäuscht, wenn Menschen mir sagen, dass sie verheiratet sind oder in einer Beziehung sind - selbst wenn sie mich in der Hinsicht gar nicht interessieren. Ich wünsche jedem das Beste. Ich kenne einige Leute, die hätten dort kein Punkt gesetzt. Sie hätten gesagt: Ich wünsche jedem das Beste und mir das Allerbeste!Doch so bin ich nicht. Ich gönne jedem Menschen wirklich das Beste. Selbst Menschen, die ich nicht leiden kann. Bei ihnen dauert es manchmal ein paar Tage länger bis ich es ihnen wünsche, doch im Grunde tue ich das. Und ich bin mittendrin oder doch nur dabei und versuche nur mein Stück - mein kleines Stück - Glück zu finden. Ich bin nicht perfekt. Ich kann unglaublich tollpatschig sein aber auch im letzten Moment alles auffangen (und ich bin wirklich schlecht im Fangen). Ich verliere oft die Geduld und dann auch meistens mit mir selbst. Ich schaffe es nicht, mir morgens Brote für die Arbeit zu schmieren und abends schminke ich manchmal oder besser gesagt fast nie ab. Dabei weiß ich, dass es so schlecht für meine Haut ist. Ich bin nicht besonders lustig und auch nicht besonders schlagfertig. Die besten Argumente fallen mir ein paar Minuten zu spät ein. Wenn sie mir doch im richtigen Moment einfallen, sind alle sehr überrascht - besonders ich selbst. Ich liebe es mit vielen Menschen einen Moment zu teilen. Doch gleichzeitig hasse ich sie. Ich hasse Menschen, die zu langsam laufen, die im Weg stehen, die zu spät kommen, die nur an sich denken, die an einer Ampel sich vor mich stellen und wenn die Ampel grün wird, nicht laufen. Ja, ich bekomme schnell schlechte Laune. Doch genauso kann man mich so schnell zum Lachen bringen - bis ich Tränen lachen und jemand sie mir aus dem Gesicht wischt.Doch nach all diesen Sätzen der Erkenntnis habe ich immer noch so viele Fragen. Wohin gehöre ich? Wem sollte ich mein Herz geben? Was macht mich besonders? Wieso bin ich auf der Welt? Wo wandern meine Gedanken hin?Woran glaube ich? Wer bin ich?

6.5.17 03:54

Letzte Einträge: Was ist Glück?, Manchmal... (14.05.2011), U-Bahn Bratzke

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